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Aktuelles · 22. Juli 2026 · 5 Min.

Der Spinner, der alles begann: Eine Begegnung mit Joachim Schulz

87 Jahre, noch immer auf Kawasaki unterwegs, und der Einzige, der den Namensgeber der Spinner-Brücke persönlich gekannt hat. Ein Nachmittag mit Erinnerungen, die alles verändern.

Er kommt mit zwei dicken Alben unter dem Arm, setzt sich an den Tisch im Biergarten und lächelt. Joachim Schulz ist 87 Jahre alt, fährt heute eine Kawasaki mit 800 Kubikzentimetern und behauptet, als Einziger in diesem Raum den Mann gekannt zu haben, der unserem Ort den Namen gab. Wir wollen wissen, ob das stimmt.

Wir alle kennen die Theorien: die verrückten Autofahrer vor dem Tempolimit, die Technik-Spinner an der AVUS, die Biker, die hier ihre Runden drehten. Doch Joachim schüttelt den Kopf. 'Es gab einen wirklichen Spinner', sagt er. 'Ein Typ mit einem Moped, etwas älter als wir, der ständig die verrücktesten Geschichten erzählte. Was der erlebt haben soll, das gab es doch gar nicht. Also nannten wir ihn den Spinner.' So wurde der kleine Platz vor dem Holzkiosk unser aller Spinnerplatz.

Er blättert durch die Fotos. Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus den frühen Sechzigern: seine Motorrad-Clique auf dem Spinnerplatz, alle auf englischen Maschinen, während die BMW-Fahrer mit ihren zuverlässigen Boxern natürlich etwas Besseres waren. Eine Norton Dominator 88 aus England, Baujahr 1954. 1967 beim AVUS-Rennen auf einer Honda CB-72, 250 Kubik, eigenhändig getrimmt. Jedes Bild hat eine Geschichte, die Joachim wie gestern erzählt.

1958, erzählt er, seien die Zweirad-Fans vom Abzweig zum Schießplatz der Amerikaner hierhergezogen. Ein Unfall hatte dort alles verändert. Leitplanken gab es noch nicht. Die Bretterbude an der Brücke wurde zum neuen Treffpunkt – und der Spinner kam mit. Damals gab es noch keine Schnitzel, nur Brause und Bier und Fachsimpelei bis zum Abend. Aber genau das war es, was diese Menschen zusammenhielt.

Die meisten von damals sind heute fort. Verteilt in alle Welt, manche mit dem Motorrad verunglückt. Joachim selbst fuhr bis 1967 Rennen, dann kam Familie und Beruf. Aber er kommt noch immer zur Spinner-Brücke. Und wenn er die Alben aufschlägt, ist die Zeit keine 70 Jahre, sondern ein einziger langer Motorrad-Sonntag, an dem die Sonne nie unterging.

Vielleicht ist das der wahre Kern dieses Ortes: nicht das Holz, nicht die Brücke, nicht die Speisekarte. Sondern die Menschen, die hier Geschichten erzählen, die keiner glaubt – und die trotzdem wahr werden. Wenn Sie Joachim eines Tages hier treffen, fragen Sie ihn nach dem Spinner. Er lächelt dann, blättert eine Seite weiter und sagt: 'Den gab es wirklich.'

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